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Jahresbericht 2017
Imagine Nord-Süd e.V.
Im Februar diesen Jahres konnte endlich der Mehrzweckraum fertig gestellt werden, so dass die Gruppe der "Kleinen" des Kindergartens den Raum beziehen konnten.
Den Raum haben wir so eingerichtet, dass auf der linken Seite Tische und Spielecken für die
Gruppe der Vorschulkinder ist und auf der rechten Seite Sportmatratzen, Bälle usw.
Möglichkeiten für Bewegung und Gymnastik bieten, was beide Klassen abwechselnd
benützen. Alles ist mobil, so dass der Raum ohne großen Aufwand für größere
Veranstaltungen umgerüstet werden kann..
Zugleich wurde der Schulhof vergrößert, was bei der großen Schülerzahl in diesem Jahr schon
sehr willkommen war.
Nun waren unsere materiellen Bedingungen sehr viel besser als zuvor, nur der unerwartete
"Fortschritt", den uns die Stadt mit der Stromleitung zu bringen schien, kehrte sich ins
Gegenteil um, denn der Strom kam einfach nicht …Leider blieb es auch bis Schuljahrsende
bei dieser "leeren" Leitung, und wir konnten nur begrenzt unser technisches Material einsetzen
(der Laserdrucker war nicht benutzbar, unser kleiner Aushilfsdrucker war zum Verzweifeln
kapriziös...).
Allerdings ist auch unser Personal noch nicht genug mit Informatik vertraut; ein Kurs für alle ist
in den Sommerferien vorgesehen, und vor Schulanfang werde ich die spezifische Benutzung
unserer pädagogischen Computerprogramme initiieren und die Lehrer beim konkreten Einsatz
im Unterricht begleiten.
Im Nachhinein erscheint mir diese Verzögerung auch nicht mehr wirklich negativ. Dieses erste
Jahr war voll auf unser erstes Ziel ausgerichtet: Lesen, Schreiben und Rechnen in der
Landessprache zu lernen, damit die Kinder von Anfang an verstehen konnten was sie lernen.
Auch die Lehrerin musste sich erst in diese konsequente Aufteilung des Unterrichts in
"Sprache1=Wolof" und "Sprache2=Französisch" einarbeiten. Inspektor Ndour, der für die
Pilotklassen verantwortlich ist, war so freundlich, sie in der Anfangsphase intensiv zu begleiten
und beraten. Dabei hatten wir viele interessante Gespräche über mögliche Methoden des
zweisprachigen Lernens.
Wir haben dann das senegalesische Pilotprogramm dahingehend adaptiert, dass Französisch
in diesem ersten Jahr ausschließlich mündlich gelernt und geübt wird. Im Schriftlichen soll nur
der globale Ansatz zum Tragen kommen (mein Zugeständnis, um keinen "Ärger" zu
bekommen): die Kinder lernen das Schriftbild einer begrenzten Anzahl oft benützter Wörter
global erkennen und sie "lesen" auf diese Art doch schon einige Wörter und Sätze in der
französischen Sprache.
Aber das systematische Lesenlernen geschieht nur in "Sprache 1": Wolof, der Sprache, die
unsere Schüler von klein auf verstehen und sprechen. Darauf bestand ich, denn es ist
erwiesenermaßen die effektivste Art zu lernen, wenn die Zweisprachigkeit nicht zuvor schon
bestanden hat. Und darauf habe ich auch besonders geachtet, bis die Lehrerin von selbst
bemerkte, dass es so "richtig" war.
Da ich leider nach meiner Rückkehr Mitte Februar nicht mehr vor Ort Tag für Tag die
Fortschritte unserer Schüler weiterverfolgen konnte, musste ich mich mit Berichten und Noten
begnügen, bis ich schließlich im Mai die erhofften Videos vom Leseunterricht geschickt bekam.
Ja, unsere kleinen Schüler können jetzt schon lesen! Dabei habe ich "nebenher" noch bei
diesem Aufenthalt einige Kinder betreut, die nach drei, sogar vier Grundschuljahren immer
noch nicht lesen konnten. Alles, was sie in der Schule gelernt haben, war so lange wiederholt
worden, bis die meisten Schüler es zwar auswendig hersagen konnten, freilich ohne es richtig
verstanden zu haben.
Auch eine Schülerin aus einer zweisprachigen Pilotklasse war darunter, die aber weder Wolof
noch Französisch lesen konnte. Sie war parallel in beiden Sprachen unterrichtet worden, um
zugleich Wolof und Französisch lesen zu lernen. Ich hatte einer solchen Unterrichtsstunde
beigewohnt und den Eindruck, dass nur sehr aufgeweckte Kinder das schaffen. Die
langsameren oder etwas verträumten werden damit überfordert oder sogar total durcheinander
gebracht.
Es war leider eine Bestätigung meiner Befürchtungen. Durch solche methodischen Irrtümer
wird auch der Unterricht in der Muttersprache als solcher leider negativ bewertet - und nichts
wird verbessert.
Aber unsere Schüler können nun, am Ende der ersten Klasse, tatsächlich lesen und
sind stolz darauf, es zu zeigen, denn es ist wirklich eine große Ausnahme, hier, schon
zum Ende des ersten Schuljahrs lesen zu können.
Ganz zufrieden bin ich allerdings noch nicht, die Schüler haben sich leider eine sehr
mechanische, monotone Art des Lesens angewöhnt. In einer Art Übereifer, um sicher zu
gehen, dass die Schüler genau hinschauen, hat unsere Lehrerin die Kinder strikt dazu
angehalten, auf jedes einzelne Wort beim Lesen mit dem Finger zu zeigen. Dadurch wurde die
Lektüre der Schüler zu einer mechanischen Aneinanderreihung einzelner Wörter. Man hört
keinen Unterschied in der Betonung verschiedener Wörter in den Übungen und
aussagekräftigen Sätzen.
Auf den Übergang zum "fließenden" Lesen werde ich deshalb im nächsten Jahr besonderen
Wert legen, damit die Schüler zum wirklich den Sinn wiedergebenden Lesen gelangen, und
dies noch bevor wir mit dem Lesen in der französischen Sprache beginnen.
Bei der Elternversammlung im Mai und zum Schulschluss bekam unsere Grundschullehrerin
Clothilde Ngom großes Lob für ihre Arbeit mit den Kindern. Auch mein stellvertretender
Direktor, der die Vor- und Grundschule während meiner Abwesenheit betreut hat, war sehr
beeindruckt von den Lernerfolgen in Wolof sowie von den mündlichen Leistungen in
Französisch. Zwei Schüler haben das Klassenziel nicht erreicht, ein Junge unter 6 Jahren, den
seine Mutter unbedingt frühzeitig einschulen wollte, und ein Mädchen, das von Anfang an
besondere Lernschwierigkeiten hatte. Ich werde beim kommenden Schulanfang sehen, was
hier getan werden kann.
Ausblicke auf das nächste Schuljahr
Unsere Schüler werden in die zweite Klasse kommen, und eine neue erste Klasse beginnt so,
wie vorgesehen. Von Lehrerseite, dem Direktor und einigen Eltern kam der Wunsch, zusätzlich
direkt eine dritte Klasse anzubieten, vor allem für solche Schüler, die nach 2 oder 3 Jahren
anderweitigem Schulbesuch immer noch nicht lesen können. Sie sollten durch das
Lesenlernen in Wolof "aufgefangen" werden, und so bis Ende des Schuljahres das
Klassenziel erreichen.
Für diese etwas schwierige Aufgabe haben wir einen unserer ersten Mitarbeiter
"zurückgewonnen", der anfangs die Nähschülerinnen in Französisch unterrichtet hatte, aber
letztes Jahr nicht disponibel wahr. Er hat schon mit dem Computer gearbeitet, hat Erfahrung in
allen Grundschulklassen und ist bereit, gegebenenfalls eine Klasse mit Doppelniveau zu
unterrichten.
Wir haben zwei Jahre gut zusammen gearbeitet, darum kann ich dieses Wagnis eingehen,
zwei neue Schuljahre auf einmal anzubieten. So entsprechen wir auch ganz den offiziellen
Anforderungen (wobei unser Anfang mit einer einzigen Klasse im Voraus von dem -
inzwischen pensionierten - Hauptinspektor von Kaolack durchaus befürwortet worden war).
Je nach Klassenstärke werden wir mit den bestehenden Räumen zurecht kommen; falls es
drei ganze Klassen werden, müssen wir einen provisorischen Raum hinzufügen und mit
Schulbänken und Stühlen ausstatten.
Im Moment sind wir immer noch auf der Suche nach einem kleinen Schulbus, um auch
behinderte Schüler aufnehmen zu können und um den Kleinen die gefährlichen Motorradtaxi-Fahrten zu ersparen.
6. Oktober 2017, offizieller Schulanfang im Senegal. Alles war bereit, nach einem Monat intensiver Vorbereitungen, -manches in letzter Minute, z.B. die Schulbänke –und die Schüler warteten schon ungeduldig (ja, das gibt es, Ferien sind langweilig am Ende!), der Unterricht konnte beginnen!
Dieses Jahr also eine neue Klasse mit Schulanfängern, mit der selben dynamischen Lehrerin Clothide. Der Anfang scheint leichter als letztes Jahr, ein großer Teil dieser Schulkinder war schon bei uns im Kindergarten.
Während einer Woche war auch Aïcha mit ihrem neuen Rollstuhl dabei, den wir auf unserem Rückweg von Dakar kaufen konnten. Sie will endlich lesen lernen, aber der Weg im Rollstuhl, geschoben von ihrem Bruder, ist zu anstrengend für sie. Sie musste eine Pause einlegen.
Die 2. Klasse bekam einen neuen Lehrer und noch neun zusätzliche Schüler, die das 3. Schuljahr absolvieren sollen. Acht davon haben diese Klasse - einige gar die nächste -schon einmal «abgesessen», aber können immer noch nicht lesen. Sie sollen das nun auf dem «Umweg» über ihre Muttersprache(!) nachholen.
Es wird nicht leicht für Lehrer Leopold, der zum Glück viele Jahre Erfahrung aus einer Dorfschule mitbringt. Aber nach einigen Anfangsschwierigkeiten haben tatsächlich schon mehrere Schüler große Fortschritte im Lesen gemacht, zuerst in Wolof, nun «peu à peu» in Französisch.
Leider fehlte immer noch der Stromanschluss, sodass wir beschlossen haben, doch noch ein 2. Solarmodul zu beschaffen, damit wir endlich auch die installierten Computer für den Französischunterricht nutzen können!
Der Kindergarten war im Nu voll, und platzt schließlich aus allen Nähten, mit fast 80 Kindern!
Unsere beiden «Kindertanten» nützen abwechselnd den großen Mehrzweckraum und den Schulhof, damit es nicht zu laut wird.
Zum Glück hat uns ein Artikel in der Badischen Zeitung kürzlich zusätzliche Geldspenden beschert, sodass wir uns schnell an den Bau des nächsten Schulraums machen konnten, der nun so weit ist, dass eine Gruppe den noch provisorisch abgedeckten Raum schon benutzen kann.
Auch die jungen Frauen der Nähgruppe sind wieder fleißig am Lernen. Es ist ihre Hoffnung, sich eigenständig im Leben zu behaupten, trotz meist mangelnder Schulbildung. Auch sie wollen (und sollen, da nun genug Strom zur Verfügung steht), mit Computer umzugehen lernen.
Viel Arbeit, aber große Zufriedenheit, weil alles gut in Gang gekommen ist. Die Unterstützung der Stiftung Alternaid für das vergangene Schuljahr hat uns aus einem Tief gerettet, das unserem gesamten Zentrum fatal hätte werden können. Damit hat es zugleich einen fantastischen Elan ausgelöst, der jetzt hier zu spüren ist.
Darum tausend Dank dieser Stiftung und allen Spendern, die sich mit uns freuen können, so vielen Kindern und jungen Frauen (den jungen Mann der Nähgruppe nicht zu vergessen) eine gute Schul-und-Ausbildung, und somit bessere Chancen für ein gutes Leben geben zu können.
Im Namen aller Mitarbeiter des Sozial-und Bildungszentrums in Kaolack, und der Mitglieder von Imagine Nord-Süd e.V., Ehrenkirchen
Maria Schneider-Wilane, Leiterin des Zentrums und 1. Vorsitzende von INS e.V.
Dezember 2017
Jahresbericht 2010
Jahres-Bericht über unseren Aufenthalt im Senegal 2010
1.) Pierres Aufenthalt ab 10.Dezember 2009
Schon direkt nach seiner Ankunft nahm Pierre Kontakt zu den leitenden Mitgliedern von "Imagine Süd-Nord" auf, um in Zusammenarbeit mit ihnen die Vorbereitung unseres Bauprojekts zu beginnen.
Bei der ersten Besichtigung des erworbenen Grundstücks war er etwas schockiert von seiner Abgelegenheit und beschloss, doch noch zu versuchen, ein grösseres und näher an der Stadt gelegenes Grundstück für unser Projekt zu bekommen.
Sie baten also um Audienz bei dem Bürgermeister, dem Präfekten und dem Gouverneur von Kaolack und Region, um unser Projekt vorzustellen und ein Grundstück dafür zu bekommen.
Sie wurden von einem Stellvertreter des Präfekten, einer Beauftragten des Bürgermeisters und dem Gouverneur empfangen und jeder war von unserem Projekt begeistert und versprach uns Unterstützung.
In einem Gremium der Stadtverwaltung wurde beschlossen, unser Projekt so bald wie möglich in einer Gemeinderatssitzung vorzustellen und über ein Grundstück dafür zu entscheiden.
Die Reaktionen waren so vielversprechend, dass man erwägen konnte, unser erworbenes Grundstück dann wieder zu verkaufen, um die gesamte Summe für den Bau zur Verfügung zu haben.
Leider war die Sache noch nicht weiter gediehen, als ich Mitte Januar 2010 hinzukam.
- Unser gemeinsamer Aufenthalt 18. Januar bis 15. Februar 2010
Nach ein paar Tagen Akklamation und Information, erste Versammlung (23.01.2010) mit "Imagine Süd-Nord", bei der wir beschliessen, die verschiedenen "Offiziellen" erneut auf unsere Projekte anzusprechen, vor allem beim Rathaus nachzufragen, wie es mit der Entscheidung für ein Grundstück aussieht.
Daneben werden wir die Dorfältesten von Ngane, dem Stadtteil, in dem unser Grundstück liegt, besuchen, um ihnen unser Projekt näher vorzustellen.
Vom Rathaus wird uns bestätigt, dass wir ein Grundstück "an der Peripherie" der Stadt erwarten können, aber die "Entscheidungsprozedur" brauche eben ihre Zeit.
Auch die Dorfältesten von Ngane sind sehr von unserem Projekt angetan; sie schlagen uns grössere Grundstücke inder Nähe vor, die etwa 200m weiter entfernt und noch nicht erschlossen sind, darum eigentlich billiger. - Aber wenn Europäer dabei sind, werden die Preise in die Höhe geschraubt, gemeinnütziges Projekt oder nicht...
Zusätzlicher Kontakt und neuer Vorschlag: Herr Fall, Direktor der staatlichen Sozialstation der Region Kaolack ("action sociale"), möchte uns für den Bereich unseres Projekts, der die Behinderten betrifft, einen Teil des Grundstücks zur Verfügung stellen, in dem sein Amtsgebäude in Kaolack steht.
Wir haben diesen Vorschlag im Verlauf meines weiteren Aufenthalts verfolgt, denn das Grundstück ist wirklich sehr zentral gelegen und das ist für die Behinderten, die sich immer im Stadtzentrum treffen, sehr praktisch. Allerdings ist das gesamte Grundstück Staatsbesitz, und wir hätten keine Garantie dafür, dass unser Projekt dann immer dort weitergeführt werden kann (zum Beispiel bei Direktorenwechsel). Vorerst habe ich ihm versprochen, mit den Vereinsmitgliedern in Deutschland darüber zu beraten, vielleicht auch staatliche Unterstützung dafür zu suchen, denn auf senegalesischer Seite wäre ja der Staat unser Partner in dieser Sache.
3.) unser Bauprojekt
Hiermit habe ich die chronologische Berichterstattung verlassen, denn sie hätte im Folgenden keinen grossen Sinn, weil sie hauptsächlich von Amtsgängen und Ärger mit den Büro-"Machthabern" erzählen würde....
Tatsache ist nämlich, dass wir Ende Januar beschlossen haben, unser Projekt auf dem erworbenen Grundstück in Gang zu bringen und die eventuelle Grundstückszuteilung der Stadt zwar weiter zu verfolgen, aber für spätere Projekte, denn "besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach", und ich sah die Zeit mir davonlaufen...
Fazit: ein neuer Plan wurde in Auftrag gegeben, auf der Grundlage des ersten von Michael Gerspacher, aber auf die Dimensionen unseres Grundstücks reduziert und den senegalesischen Verhältnissen und Regeln angepasst.
Nachdem wir für staatliche Abgaben verschiedener Art (Details im Finanzbericht) doch schon ziemliche Ausgaben hatten (mit Hilfe des Gouverneurs wurden übertriebene Forderungen zum Glück etwas gemässigt), wurde nur ein erster Bauabschnitt mit drei Unterrichtsräumen, einem Büro und Toiletten zur Genehmigung eingereicht, damit die Stadt nicht auch noch eine mächtige Summe dafür verlangt.
Um doch eine Idee vom zeitlichen Verlauf zu bekommen, muss ich sagen, dass wir es gerade noch geschafft haben, die Baugenehmigung zwei Tage vor meiner Abreise, am 12.April, endlich fertig einzureichen. Es war ein wahrer zweimonatiger Hürdenlauf! (Ich spüre jetzt beim Schreiben im Nachhinein noch den Stress und die Erschöpfung! Zudem mussten wir letzten Monat erfahren, dass unser Antrag bösartig blockiert worden war und von unseren Partnern nochmal eingereicht werden musste! )
Parallel wurde der Brunnenbau begonnen, der viel Freude brachte, aber auch teilweise grossen Stress, denn die Brunnenbauer hatten "vergessen", uns zu sagen, dass sie 2 km weiter schon einen Brunnenauftrag begonnen hatten. So mussten wir ihnen immer wieder "nachrennen", um voranzukommen! Für die Arbeit selbst aber können wir ihnen nur gratulieren und dankbar sein, denn es ist zugleich "Knochenarbeit" und eine Kunst, von Hand einen Brunnen zu graben und zu bauen!
Die Fotos und kleinen Filmsequenzen der Arbeit sagen mehr aus als ein langer Bericht.
Später, als uns klar wurde, dass wir nicht mit einem Baubeginn vor meiner Abreise rechnen können würden, wuchs nach und nach die Idee, ein kleines afrikanisches Lehmhaus zu bauen, für das keine Baugenehmigung erforderlich ist.
Lehm stand uns direkt zur Verfügung, denn der Brunnenaushub bestand nach einer kleinen Sandschicht vollkommen aus Lehm.
Das traditionell 4x4m grosse Einzimmerhaus soll vorerst für Materialaufbewahrung und dann als Unterkunft für einen Wächter bzw, die Gartenarbeiter dienen, denn solange unser Bau nicht beginnen kann, soll das Grundstück armen Familien aus Ngane für Gemüseanbau zur Verfügung stehen, natürlich unter Betreuung von Imagine Süd-Nord.
Dieses Lehmhaus wird unserem Gemeinschaftsraum direkt gegenüber stehen und soll als afrikanisches Kulturgut geachtet und benützt werden.
Um es noch vor meiner Abreise fertig zu bekommen, brachten unsere Partner eine tolle Koordination zustande: Ousseynou machte einen Arbeitsplan und organisierte das Material für's Dach, Aida brachte zwei junge Männer aus Latmingué nach Kaolack, die in zweieinhalb Tagen den Lehm stampften und Ziegel herstellten, und Ablaye fand einen Maurer, der den Bau leitete.
Da der Brunnen noch nicht fertig war, organisierte Ablage anfangs auch die Wasserversorgung.
So konnten wir einen Tag vor meiner Abfahrt das Haus mit Strohdach und fertigem Innenputz als angenehm kühle Unterkunft geniessen und bewundern!
Auch hier sprechen die Bilder besser als viele Worte...
4.) Unsere Partner
Die fast tägliche Zusammenarbeit mit unseren Partnern von Imagine Süd-Nord war wunderbar, die grösste Motivation für uns, nicht den Mut zu verlieren.
Der erste Vorsitzende, Elhadji N'Diaye, auch "Nalla" genannt, war vor allem bei den Amtsgängen nach Pierres Abreise mein bester Helfer, hat sich auch als feinfühliger Vermittler bei Personenkonflikten erwiesen und ist nach unserer Rückkehr unser ständiger Kontakt (über Internet wenn's denn funktioniert, sonst per sms).
Die Schatzmeisterin Aida Loum, schon bei unserer vorigen Reise 2008 unsere ständige Begleiterin und Mittelsperson, stand mir fast täglich beiseite. Sie hat ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin mit Erfolg abgeschlossen und versucht bis jetzt vergeblich,eine Stelle,selbst im abgelegensten Dorf, zu bekommen. Leider hat sie keine "Beziehungen" und muss warten... Ich hoffe, dass wir ihr weiterhelfen können, dass sie ihren Beruf wieder ausüben kann (sie hatte vor ihrer Ausbildung schon als Helferin gearbeitet).
Der "Generalsekretär" Ousseynou Niang, als Sozialarbeiter bei der Organisation "Enda" engagiert und viel beschäftigt, war so oft es ihm sein Zeitplan erlaubte, mit "im Boot".
Ablaye, Pierres jüngerer Bruder und Mitglied von Imagine Süd-Nord, hat sich unermüdlich um den Brunnenbau gekümmert, das heisst: Materialbeschaffung (nach und nach, damit nicht ein Teil verschwindet), fast jeden Tag vor Ort die Arbeit überwachen usw; zusammen mit dem Lehmhausbau war es ein erschöpfender Vollzeitjob, für den er eine Medaille verdient hätte!
Nach unserer Abreise wurde unter seiner Regie weiter am Brunnen und dem Lehmhaus gearbeitet, ein Reservebecken für Bewässerung angefertigt und ein Stück Erde zur Bepflanzung vorbereitet.
Der Geschichtslehrer Abda N'Diaye stand uns beiseite, wenn's Probleme mit den 2 gebraucht gekauften Computern gab. Die stehen jetzt unseren Partnern zur Verfügung, die inzwischen schon ganz gut damit zurechtkommen, aber immer auf seine Hilfe bauen können.
Auch mit einigen Grundschullehrern und Kindergärtnerinnen (nicht alle sind schon Vereinsmitglieder, aber alle sind sehr interessiert) stand ich in Kontakt, in Voraussicht unserer schulischen Projekte. (Dazu noch ein Extrakapitel )
Auch der Verein Handi-Imagine hat mitgewirkt, soweit es ging.
Der Generalsekretär Sidi Fall hat darauf bestanden, uns trotz Schwierigkeiten bei manchen Amtsgängen zu begleiten und zu unterstützen. Einige hochnäsige Beamte sahen sich dann auch genötigt, sich etwas menschlicher zu zeigen...
Die Vereinsmitglieder hoffen sehr, dass die Ausbildungs- und Atelierprojekte bald beginnen. Vor allem das Rollstuhlatelier stösst auf grosses Interesse. Der Präsident erklärte mir, dass er selbst Rollstühle rapariert und sogar sein Spezialgefährt (siehe Foto) selbst konzipiert hat. Das entsprechende Material und Werkzeug ist aber sehr schwer zu bekommen, das wird dann zu unserem Sachspendenaufruf hinzukommen, damit bei Fertigstellung des Gebäudes ein Container bereit zur Abreise ist.
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Erschöpfte uns der Ärger mit den Behörden, der Heisshunger mancher Beamter auf Geld, das ewige Warten bei jedem Unterfangen, fanden wir doch immer wieder neue Energie, weil wir täglich sahen, wie viele Menschen sich von Tag zu Tag durchschlagen müssen, um zu überleben - unsere Begleiter selbst gehören teilweise dazu. Und wir wissen, dass wir mit unserem bescheidenen Projekt doch viel bewirken können.
Darum hoffen wir, dass auch unsere Mitglieder nicht die Geduld verlieren, wenn alles nicht so schnell geht wie erwünscht. Wenn wir "dranbleiben", schaffen wir etwas, wozu die meisten Vereine Riesensummen brauchen, von denen automatisch ein Teil von gierigen "Mitessern" abgelenkt wird, die begeistert grosse Projekte aufnehmen und feiern, um danach besser abzusahnen.
Danke
an alle für die Unterstützung und Geduld! (3 Monate nach meinem 3-monatigen
Aufenthalt konnte ich mich endlich ans Schreiben machen....und es bleibt noch
viel zu erzählen...)
Nach kurzem Heimaturlaub flog Maria wieder nach Kaolack und eröffnete dort am 5. 11. 2012 die Vorschule.
So wollen wir an dieser Stelle allen ein herzliches Danke sagen für die vielfältige Hilfe, die wir bis dahin erfahren haben.
Maria wird bis im Sommer die Schule unentgeltlich leiten und parallel Lehrpersonal anleiten zur Weiterführung der Schule.
Der enorme Andrang zeigt, wie groß der Bildungshunger ist. Das wichtigste Bildungsziel ist, in der Grundschule in der Muttersprache Lesen und Schreiben zu lernen. Die im Senegal übliche Amts- und Lehrsprache Französisch ist anschließend leichter zu erlernen.
Ende letzten Jahres hatten wir einen Container zur Schuleinrichtung geschickt. Die beigefügte CD informiert über den Verlauf und bisherigen Werdegang. Außer uns waren auch die Termiten in den Sommerferien sehr fleißig und haben einige Regale zerlegt. Wir werden uns um Metallregale kümmern, da diese auf die Dauer beständiger sind.
Im Januar 2013 wird im gleichen Gebäude die Nähschule eröffnet. Damit stehen wir vor einer neuen großen Aufgabe. Es muss gelingen den laufenden Schulbetrieb dauerhaft
sicher zu stellen. Der Etat für die Bezahlung von Lehr und Betreuungspersonen, deren Ausbildung, das Unterrichtsmaterial und für eine Kinder- und Schülerspeisung, soll nachhaltig gewährleistet werden.
Die Bereitstellung dieser Versorgung stellt unseren kleinen Verein kurzfristig vor enorme Herausforderungen. Nicht alle Eltern sind imstande das Schulgeld für ihre Kinder aufzubringen. Mittel- und langfristig wird der Verkauf einfacher Gebrauchsgüter aus der Nähwerkstatt
und Gartenerzeugnisse diese Kosten mittragen.
Möchten Sie mithelfen und dazu beitragen, dass auch Kinder mittelloser Familien von unserer Einrichtung profitieren können?
Ihre Unterstützung ist wie folgt möglich:
• Sie möchten mit 15,-- € monatlich eine Patenschaft übernehmen,
mit der Sie ein Kindergarten- oder Schulkind am Lernen und Essen teilnehmen lassen.
• Sie werden Mitglied bei Imagine e.V. mit einem Jahresbeitrag von 25 €
• Ihre Förderung mit einer ein- oder mehrmaligen Spende
• Sie bedenken uns testamentarisch
• Sie sind überzeugt und begeistert von unserem Wirken, dass Sie weitere Mitglieder hinzu gewinnen.
Jeder noch so kleine Betrag hilft und kommt – ohne Abzüge – sicher "vor Ort" zum Einsatz.
Nun noch eine Bitte: Der Mitgliedsbeitrag wird oft vergessen zu überweisen, deswegen wäre es einfacher, einen Dauerauftrag bei der Bank, oder eine Einzugsermächtigung für den Verein zu geben.
Gesegnete Weihnachts- und Neujahrsgrüße für Sie und Ihre ganze Famillie
Unser NEUES Konto: Imagine Nord-Süd e.V. Konto Nr: 2480506 BLZ: 68092300 Volksbank Staufen BIC: GENODE61STFIBAN: DE82 6809 2300 0002 4805 06
IMAGINE NORD-SÜD e.V. -Jahresbericht 2013- 20.12.2013
Liebe Mitglieder und Förderer von IMAGINE Nord-Süd eV.
Das Jahr 2013 war für unseren Verein wiederum ein gutes Jahr.
Die Vorschule, die von Maria Schneider-Wilane, unserer 1. Vorsitzenden, im November 2012 begonnen wurde, führte sie persönlich mit der Senegalesischen Helferin Fatou erfolgreich weiter. 30 Kinder lernten die ersten Worte Französisch, erste Buchstaben schreiben und zählen. Natürlich kam auch das Spielen nicht zu kurz.
Mittags kamen die großen Schüler aus der benachbarten Hauptschule und stürmten unsere kleine Bibliothek. Die Kinder sind sehr begierig auf Lesestoff. Die Bücher hatten wir im letzten Container mitgeschickt.
Dieses Jahr war unser Antrag bei der Baden-Würthembergstiftung von Erfolg gekrönt: 5000.- € für die Nähschule! So konnten wir einen Schrank und Regale aus Stahlblech (wegen der Termiten) , Stoffe, Scheren, Faden usw. einkaufen. Seit Mai sind 20 junge Frauen eifrig in der Schneider-Ausbildung dabei. Auch die Alphabetisierung ist Teil ihres Stundenplans.
Die jungen Frauen stellen schöne Kleider und textile Gebrauchsgegenstände her.
Das ging zwar nicht immer alles glatt vonstatten. Doch das Belastendste waren sicher Krank-heit und Tod von Pierres Mutter, Marias Schwiegermutter.
Hinzu kam noch, kurz vor Marias Rückflug, dass die Tochter der Schneiderin so schwer verunglückte, dass man dachte, sie bräuchte im Gesicht eine Hauttransplantation. Heute ist alles gut verheilt, aber es blieben hässliche Narben im Gesicht und an den Armen. Vielleicht lassen sich wenigstens die Narben im Gesicht eines Tages nachoperieren.
Ende Mai kam Maria erschöpft wieder zurück nach Deutschland. Die Hitze, bis zu 47°C. Der lange Schulweg mit dem Fahrrad auf der Sandpiste, der nächtliche Lärm in der Stadt, den alltäglichen Problemen, wenig frisches Gemüse und immer Reis haben ihre Kräfte ausgelaugt.
Wieder daheim wurde es bald besser, durch gutes Essen, genügend Trinken und Ruhe bei angenehmen Temperaturen.
Hier in Ehrenkirchen haben wir wieder am "Eine-Welt-Tag" teilgenommen. Die Leute konnten an unserem Stand sich über den Fortschritt unseres Projektes informieren und zeigten Interesse.
Vom Verein TUKOLERE WAMU bekamen wir im November 4 000.- € als Zuschuss für einen Stromanschluss und für den geplanten nächsten Raum.Wir sind sehr glücklich darüber, denn das zweite Schuljahr hat uns noch mehr Vorschüler (36) und mehr Nähschülerinnen (27) beschert.
Der Anklang bei der Bevölkerung und die erweckten Hoffnungen sind groß. Computer- und Nachhilfe-Unterricht, sportliche und kulturelle Aktivitäten für Kinder und Erwachsene, all das hat gefehlt im Umfeld und wird möglich mit Strom und unserem geplanten Mehrzweckraum.
Unsere Mitarbeiter vor Ort sind sehr engagiert und bereit, sich auf viel Neues einzulassen. Mit Pierres vollem Einsatz ist eine neue Dynamik in Gang gekommen, die mit Eurer Unterstützung das kommende Jahr zu einem Erfolgsjahr für unser Projekt macht.
Dieses Jahr kamen auch viele private Spenden auf unser
Vereins-Konto 2480506 BLZ 68092300. Dafür sind wir zutiefst und herzlich dankbar!
Mit den besten Wünschen für das Neue Jahr 2014 und herzlichen Grüßen,
Elisa Vergez
